Sollte die E-Mail nicht korrekt angezeigt werden, klicken Sie bitte hier.
Italien...
auf einen Espresso

14/2025


Sehr geehrte Damen und Herren,
die Objektive der Welt richten sich derzeit auf die Ewige Stadt, wo am Mittwoch die Wahl des neuen Papstes begonnen hat. Wer wird in Weiß als neuer Nachfolger Petri auf den Balkon der Petersbasilika treten? Die Spekulationen überschlagen sich, die Lage ist auch für vatikanische Beobachter unübersichtlich. Dies könnte auf ein längeres Konklave hindeuten. Der Kardinaldekan formulierte bei der Eröffnungsmesse schon mal Erwartungen an den neuen Papst. Wir wollen in dieser Ausgabe versuchen, etwas Licht in die geheimste Wahl der Welt zu bringen. 

Premierministerin Giorgia Meloni freut sich auf den neuen Kanzler Friedrich Merz und hofft, mit ihm Europa voranzubringen. Unabhängig davon kündigt sie an, bei der nächsten Parlamentswahl in zwei Jahren wieder anzutreten. Und im italienischen Bankensektor gibt es einen neuen Übernahme-Poker. Der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Bernhard Kotsch, muss nach Berlin umziehen: Er ist zum neuen Staatssekretär im Auswärtigen Amt ernannt worden.

Wir wünschen Ihnen eine erhellende Lektüre.

Dr. Nino Galetti
Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Italien
Themenbereiche
Konklave I: Hohe Erwartungen an neuen Pontifex
Konklave II: Rätselraten um die Favoriten
Konklave III: Kardinäle im Hochsicherheitstrakt
Kanzlerwahl: Meloni gratuliert Merz
Kandidatur: Meloni macht‘s nochmal
Botschafterwechsel: Kotsch wechselt nach Berlin
Bankenpoker: Mediobanca will Generali übernehmen
Maltas „Golden Passport“-Programm erzielte Milliarden-Einnahmen 
Vokabel der Woche „fumata“
Aus der Konrad-Adenauer-Stiftung
Konklave I: Hohe Erwartungen an neuen Pontifex
Mit einer Messe im Petersdom, der sogenannten „Missa pro eligendo Pontefice Romano“, die von Kardinaldekan Giovanni Battista Re zelebriert wurde, hat das Konklave begonnen. Mit seinen 92 Jahren ist Re zwar nicht selbst wahlberechtigt und darf auch nicht die Wahlgänge leiten. Jedoch ermahnte er seine 133 Mitbrüder, die noch keine 80 Jahre alt sind, in seiner Predigt: „Die Wahl des neuen Papstes ist nicht nur ein einfacher Wechsel von Personen, sondern es ist stets der Apostel Petrus, der zurückkehrt. Jeder Papst verkörpert weiterhin Petrus und seine Sendung und vertritt auf diese Weise Christus auf Erden“, unterstrich Re, denn Petrus sei „der Fels, auf dem die Kirche gebaut ist“. 

Der Kardinaldekan rief auf zum Gebet, „dass der Heilige Geist, der uns in den vergangenen hundert Jahren eine Reihe wahrhaft heiliger und großer Päpste geschenkt hat, uns zum Wohl der Kirche und der Menschheit einen neuen Papst nach dem Herzen Gottes schenken möge. Beten wir, dass Gott der Kirche den Papst gebe, der es am besten vermag, die Gewissen aller wie auch die moralischen und spirituellen Kräfte in der modernen Gesellschaft zu wecken, die von großem technologischem Fortschritt geprägt ist, aber dazu neigt, Gott zu vergessen.“ 

Er erinnerte die Kardinäle an ihre Verantwortung: „Die heutige Welt erwartet viel von der Kirche im Hinblick auf die Bewahrung jener grundlegenden menschlichen und geistlichen Werte, ohne die das Zusammenleben der Menschen weder besser noch für künftige Generationen zuträglich sein wird.“ Am Nachmittag zogen sich die wahlberechtigten Kardinäle zum ersten Wahlgang in die Sixtinische Kapelle zurück.
Konklave II: Rätselraten um die Favoriten
Nach zehn Tagen voller Tagungen und eingehenden Gespräche zwischen den Kardinälen zeichnet sich indes kein eindeutiger Favorit für den Stuhl Petri ab. Zwar werden in den Medien immer wieder Namen wie der bisherige Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (70), der Patriarch von Jerusalem Giambattista Pizzaballa (60), der Generalsekretär der Weltsynode Mario Grech (68), oder der Missions-Präfekt Luis Antonio Tagle (67) kolportiert; doch der Kreis der Anwärter, so ist zu hören, hat sich eher erweitert als eingeengt. Es könnte daher auch eine Überraschung geben.

Ob ein neuer Papst gewählt ist oder nicht, wird der Weltöffentlichkeit traditionell per Rauchzeichen mitgeteilt. Aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle steigt nach den Wahlgängen des Vormittags und des Nachmittags jeweils entweder schwarzer Rauch auf, wenn es noch keine Einigung auf einen neuen Papst gibt, oder weißer Rauch, wenn es tatsächlich so weit ist. Bis Redaktionsschluss unserer Newsletters blieb der Rauch schwarz. Da sich viele Purpurträger aus alles Ecken der Welt kaum persönlich kennen, halten manche Beobachter ein längeres Konklave für möglich.
Konklave III: Kardinäle im Hochsicherheitstrakt
Begonnen hatte die Papstwahl faktisch mit der Vereidigung der Kardinäle durch den Camerlengo, Kardinal Kevin Joseph Farrell, und zwei päpstliche Notare. Damit soll sichergestellt werden, dass niemand außerhalb des Kardinalskollegiums Einblick in die geheimen Vorgänge im Vatikan erhält. Wer gegen die Regel verstößt, riskiert die höchste kirchliche Strafe: die Exkommunikation – also den Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft. Damit wird die große Bedeutung der Geheimhaltung bei der Wahl eines neuen Papstes unterstrichen. Bis Mittwochvormittag waren die letzten Purpurträger ins Gästehaus Santa Marta, in dem sie während des Konklaves wohnen, eingezogen. Die Zimmer wurden ihnen per Los zugeteilt. Dort werden sie von der Außenwelt vollständig isoliert, um ihre Unabhängigkeit sicherzustellen. So mussten sie vorher Handys, Notebooks und andere technische Geräte abgeben. Die Fensterläden ihrer Zimmer sind versiegelt. Fernseher, Radios und Telefone sind aus dem gesamten Hotel entfernt, auch Zeitungen sind verboten. 

Mindestens 89 Stimmen der 133 Kardinäle sind für die Wahl eines Nachfolgers für Franziskus notwendig. Es wird so lange abgestimmt, bis die Zwei-Drittel-Mehrheit steht. Das kann einige Tage dauern, zumal das Kollegium der Purpurträger international sehr fragmentiert ist. Die Kardinäle stimmen so lange ab, bis sich mindestens zwei Drittel von ihnen über die Person des neuen Oberhaupts der 1,4 Milliarden Katholiken weltweit einig sind.

Der Vatikan schaltete auch den Mobilfunkempfang auf dem Gebiet des Kirchenstaates ab und installierte Störsender, um etwaige Abhöraktionen zu verhindern. Der Petersplatz selbst ist davon nicht betroffen. Zur Bekanntgabe des neuen Papstes werden Tausende Gläubige im Kolonnaden-Rund vor der Basilika erwartet. Die Stadt Rom und der Vatikan ergreifen rund um das Großereignis massive Sicherheitsvorkehrungen. 5.000 Sicherheitskräfte werden am Tag der Verkündung des neuen Papstes durch die berühmte Formel „Habemus Papam“ im Einsatz sein. Rund um den Vatikan gelten strengste Sicherheitsvorkehrungen. 7000 Journalisten begleiten das historische Ereignis medial.

Inzwischen reißt der Strom der Pilger nicht ab, die das Grab von Papst Franziskus in der römischen Basilika Santa Maria Maggiore nahe des Zentralbahnhofes Termini besuchen. Auch der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella begab sich zu dem schlichten Marmorgrab in einem Seitenschiff der Kirche in der Nähe des Altars und betete davor.
Kanzlerwahl: Meloni gratuliert Merz
Glückwünsche aus Rom: Premierministerin Giorgia Meloni hat Friedrich Merz zu dessen Wahl zum Bundeskanzler gratuliert. "Die Zusammenarbeit zwischen Italien und Deutschland ist grundlegend, um die Herausforderungen des aktuellen internationalen Kontexts zu bewältigen", teilte Meloni mit.  Sie sei überzeugt, dass Berlin und Rom gemeinsam auch auf europäischer Ebene, im Rahmen der G7, der NATO und bei zentralen internationalen Themen wichtige Fortschritte erzielen könnten. "Ich glaube vor allem, dass Deutschland und Italien, die beiden größten produzierenden Volkswirtschaften Europas, einen Beitrag zur Wiederbelebung der Wettbewerbsfähigkeit Europas leisten können, vor allem in der Automobilbranche."

In den italienischen Medien war die Aufregung in Berlin um die erforderlichen zwei Wahlgänge bei der Wahl von Merz aufmerksam beobachtet worden. Allseits wurde mit Verwunderung kommentiert, das in der „sonst so geordneten“ deutschen Politik derartige Zwischenfälle passieren könnten. In Rom sei man so etwas eher gewöhnt. Kanzler Merz und seine Regierung werden von den meisten italienischen Kommentatoren dadurch jedoch nicht als geschwächt angesehen.
Kandidatur: Meloni macht‘s nochmal
Sie will es nochmal wissen. Regierungschefin Giorgia Meloni hat angekündigt, nach dem regulären Ende der laufenden Legislaturperiode im Jahr 2027 für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Sie wolle das Regierungsprogramm der Rechts-Koalition vollständig umsetzen und den Bürgern eine Bilanz ihrer bisherigen Arbeit vorlegen. Als zentrale Themen ihrer Amtszeit nannte Meloni unter anderem Wirtschaftspolitik, Migration, Sicherheit, Familienförderung, institutionelle Reformen sowie die Außen- und Arbeitsmarktpolitik. Insbesondere letztere habe, so die Premierministerin, deutlich zur Steigerung der Beschäftigung in Italien beigetragen.

Gleichzeitig beklagte die Regierungschefin „beschämende, sexistische Angriffe“, denen sie regelmäßig ausgesetzt sei. Ausgerechnet jene, die sich sonst gern als Verfechterinnen der Frauenrechte gerierten, würden dazu schweigen. Es sei nicht hinnehmbar, dass derartige Attacken Teil des politischen Alltags würden, beklagte sie in einem Interview. Die 48jährige Meloni, die seit 2022 als erste Frau an der Spitze einer italienischen Regierung steht, sieht sich und ihr Umfeld zunehmend im Visier politischer Gegner. Sie warf ihnen vor, ihre Familie – darunter ihre Schwester, deren Lebensgefährten und sogar ihre achtjährige Tochter – „skrupellos“ für politische Attacken zu instrumentalisieren. 
Botschafterwechsel: Kotsch wechselt nach Berlin
Der bisherige deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Bernhard Kotsch, wird nach Berlin berufen. Der neue Außenminister Johann Wadephul hat den 56jährigen Diplomaten zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt berufen. Kotsch ist seit 2021 in Rom. Zuvor arbeitete u.a. als stellvertretender Büroleiter für Angela Merkel im Kanzleramt und war für die Koordination der Nachrichtendienste zuständig. Der gebürtige Regensburger gilt als international bestens vernetzt.

Der eine geht, der andere kommt: Der neue US-Botschafter in Italien, Tilman J. Fertitta, ist in Rom eingetroffen. "Ich fühle mich geehrt, im Namen des amerikanischen Volkes in Italien zu sein, und freue mich darauf, mit meinen wunderbaren neuen italienischen Kollegen an einem der besten Arbeitsplätze der Welt zusammenzuarbeiten", schrieb Fertitta. Der Trump-Freund blickt auf eine lange Karriere in den Bereichen Wirtschaft, Unterhaltung und Philanthropie zurück. Er ist auch der Autor des New York Times-Bestsellers "Shut Up and Listen" und ehemaliger Star einer Fernsehshow.
Bankenpoker: Mediobanca will Generali übernehmen
Der Übernahmekampf im italienischen Bankensektor geht in die nächste Runde: Im Ringen um seine Unabhängigkeit will das italienische Geldhaus Mediobanca die Privatbank Banca Generali für 6,3 Milliarden Euro übernehmen. Der Angebotspreis von 54,17 Euro pro Aktie entspricht einem Aufschlag von elf Prozent zum letzten Schlusskurs. Bezahlt werden soll mit Anteilen, die Mediobanca am italienischen Versicherungsriesen Generali hält, wie die Großbank mitteilte. Ziel der Übernahme sei, Banca Generali in die Vermögensverwaltung von Mediobanca einzugliedern. Der Anteil der Sparte am Gesamtumsatz würde sich dadurch auf 45 Prozent verdoppeln.

Zudem soll die Partnerschaft der Banca Generali mit Generali in den Bereichen Versicherung und Vermögensverwaltung erneuert und auf eine neue kombinierte Einheit ausgeweitet werden. „Durch diese umfangreiche Kapitalumschichtung in die Vermögensverwaltung wird die Beziehung zwischen Mediobanca und Generali von einer finanziellen Investition in eine starke industrielle Partnerschaft umgewandelt.“ Mediobanca ist mit einem Anteil von 13 Prozent der größte Anteilseigner des Generali-Konzerns. Mediobanca wiederum ist bekannt als Investmentbank und Kreditgeber der italienischen Industrie und wehrt sich derzeit selbst gegen eine feindliche Übernahmeofferte des heimischen Rivalen Monte dei Paschi di Siena.
Maltas „Golden Passport“-Programm erzielte Milliarden-Einnahmen
Seit 2015 haben insgesamt 5.300 Personen über Maltas „Golden Passport“-Programm die maltesische Staatsbürgerschaft erhalten, wodurch der Inselstaat etwa 1,6 Milliarden Euro eingenommen hat. Das Programm sieht vor, dass Bewerber mindestens 600.000 Euro investieren und zwischen 12 und 36 Monaten in Malta wohnen sowie eine Immobilie erwerben und mindestens 10.000 Euro an eine wohltätige Organisation spenden müssen. Die meisten Antragsteller stammen aus Europa und Nordamerika. Anträge von russischen Staatsbürgern wurden seit Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine ausgesetzt. Der Europäische Gerichtshof entschied nun, dass diese Programme gegen EU-Recht verstoßen. Dennoch verteidigt die sozialdemokratische Regierung Maltas das Programm als wirtschaftlich vorteilhaft und plant eine Überarbeitung der Regelungen.
Vokabel der Woche „fumata“
Das Wort ist derzeit in aller Munde, denn nicht nur in Rom wartet man mit Hochspannung auf die „fumata bianca“. Sie haben es erraten: Es handelt sich um den "weißen Rauch“ (f). Weil bei früheren Papstwahlen des Öfteren Rätselraten auf dem Petersplatz herrschte, ob der Rauch nun weiß oder schwarz sei, und er oftmals grau aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle quoll, werden den zu verbrennenden Stimmzetteln heute Chemikalien beigemischt, die für die richtige Farbe sorgen.
Aus der KAS
Die bevorstehende Wahl eines neuen Papstes im Konklave sorgt für viel Spekulation. Als einer der Favoriten gilt der aus Italien stammende Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Sein Vorteil: Viele der aus 71 Ländern stammenden Kardinäle kennen einander nur wenig; aber mit dem Kardinalstaatssekretär hatten alle schon zu tun. Parolin war über Jahre die Nummer zwei im Vatikan und arbeitete eng an Franziskus' Reformprojekten mit. Seine diplomatische Erfahrung und seine langjährige Tätigkeit machen ihn zu einem aussichtsreichen Kandidaten für das Amt des Papstes. Mehr dazu erklärt Herr Dr. Nino Galetti im Interview mit der Frankfurter Rundschau.
 
 
 
Wer wird nach dem „Habemus Papam“ auf die Loggia des Petersdoms treten und den ersten „Urbi et Orbi“-Segen spenden? Der gewaltige Medienrummel in Rom verdeutlicht die anhaltende globale Bedeutung der katholischen Kirche und des Papstamts. Für die wahlberechtigten Kardinäle geht es darum, eine geeignete Persönlichkeit mit dem richtigen Programm zu vereinen. Doch das Konklave folgt eigenen, oft unerwarteten Dynamiken, die Außenstehende kaum vorhersehen können. Diese Analyse beleuchtet die zentralen Herausforderungen des kommenden Pontifikats und zeigt auf, welche Persönlichkeiten sie prägen könnten. Lesen Sie hierzu den Länderbericht "Warten auf den Weißen Rauch" des KAS-Auslandsbüros.
 
 
 
Am Dienstagabend hat die KAS Rom ein Expertengespräch zum Ablauf des Konklaves durchgeführt. Mit dabei war u.a. der Wahlrechtsexperte Professor Francesco Clementi von der römischen Universität La Sapienza, der den Heiligen Stuhl bei der letzten Reform der Wahlordnung für das Konklave beraten hat. Die Zeithistorikerin Professor Emma Fattorini ordnete die Entwicklung der Konklave in der Neuzeit historisch ein. Beide gehen eher von einem kurzen Konklave aus.








Dieser Newsletter ist ein kostenloser Service der Konrad-Adenauer-Stiftung in Italien

Verantwortlich i.S.d.P.:
Dr. Nino Galetti
Leiter der KAS-Italien
Nino.Galetti@kas.d



Sie erhalten diese E-Mail, weil Sie in den Verteilern der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. sind. Natürlich können Sie diesen Informationsdienst jederzeit abbestellen.
Zum Abbestellen klicken Sie hier.

Wenn Sie den Link nicht anklicken können, senden Sie uns diesen Newsletter mit dem Betreff „abbestellen” an info.italien@kas.de zurück.
   

© Konrad-Adenauer-Stiftung e. V.